Erläuterungen zu den Chemie-Vorlesungen
I Hybridisierung und Kovalente Bindungen
1. Bindungsarten
Allgemein:
- Bei der Ionenbindung, aus Kationen X+ und Anionen Y - gebildet, werden die ionischen Bindungspartner durch die Kristallgitterenergie (elektrostatische Kraft) zusammengehalten.
Bildung der Ionen Li+ und Cl -
- Die polarisierte Elektronenpaarbindung wird auch als polare kovalente Bindung oder polare Atombindung bezeichnet.
So ergeben sich polare Substrate (vgl. Tafelarbeit der Vorlesung):
- Die unpolare Elektronenpaarbindung (kovalente Bindung oder Atombindung) bildet sich zwischen gleichen Nichtmetallen wie C-C.
2. Elektronenkonfiguration und Kästchenschema im Grundzustand (ungebunden)
Jedes Atom des Periodensystems (PSE) hat seine charakteristische Elektronenkonfiguration, die dem PSE entnommen werden kann, beginnend mit dem niedrigsten Energieniveau - "Schale" - 1s über 2s und 2p zu 3s, 3p und 3d usw.
Kästchenschema der Schalen:
Es gilt die Hund'sche Regel.
Kästchenschema einiger Elemente im Grundzustand:
3. Das ist Hybridisierung!
Eine Verschmelzung unterschiedlicher Strukturen bezeichnet man als Hybridisierung. Es entsteht ein Hybrid.
In der Chemie verschmelzen verschiedene Elektronenorbitale (s, p, d) zu neuen Hybridorbitalen.
Hybridisierung tritt nur bei Atomen auf, die kovalente Bindungen zu anderen Atomen aufweisen.
Hybridisierung erzeugt energetisch stabile zumeist dreidimensionale geometrische Strukturen.
Nur Valenzorbitale (äußerste Schale, auch wenn im Grundzustand nicht besetzt) eines Atoms können an der Hybridisierung teilnehmen.
Hybridorbitale erzeugen stets s-Bindungen.
p-Bindungen - "Doppelbindungen" - entstehen aus nicht hybridisierten p-Orbitalen (vgl. sp2- und sp-Hybridisierung)
4. Die sp3-Hybridisierung
4.1 Gedanklicher "Ablauf" der sp3-Hybridisierung am Beispiel Kohlenstoff
Darstellung der verschiedenen Elektronenorbitale im Grundzustand eines Atoms. Atomorbitale bilden keine Bindungen!:
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Kästchenschema für Kohlenstoff in Bindungen mit 4 Liganden (sp3), Winkel 109°28'
Anhebung eines 2s-Elektrons aus dem Grundzustand in das 2p-Niveau und
Hybridisierung des einen 2s mit den drei 2p-Elektronen auf das Energieniveau 2 sp3 unter Absenkung und Vereinheitlichung der Energie:

Hybridisierungsablauf zu 4 Bindungspartnern der Kohlenstoff:
Die Hybridorbitale können jeweils Valenzbindungen (s-Bindungen) zu anderen Atomen aufbauen.
4.2 Beispiele
Bildung von Methan, vier s-Bindungen zwischen C und H. Die H-Atome können nicht hybridisieren, da sie nur über s-Orbitale verfügen:
Aus einem sp3-Hybridorbital des Kohlenstoffs und dem s-Orbital eines Wasserstoffs bildet sich ein Molekülorbital, bei dem das Bindungselektronenpaar beiden Atomkernen angehört und somit die C-H-Bindung bildet.
Bildung von Ethan durch drei s-Bindungen zwischen C und H und eine C-C-s-Bindung. Beide C-Atome sind sp3-hybridisiert, H ist nicht hybridisiert, formal:
Die Struktur des Ethanmoleküls zeigt das Kugel-Stab-Modell:
Bildung von Ammoniak durch sp3-Hybridisierung des Stickstoffs, Bindungswinkel H-N-H 107,3°, da das nicht sichtbare, aber in einem sp3-Orbital existente freie Elektronenpaar den idealen Tetraederwinkel staucht. Die drei einfach besetzten sp3-Hybridorbitale bilden drei s-Bindungen zwischen N und H:
Bildung von Wasser durch sp3-Hybridisierung des Sauerstoffs, Bindungswinkel H-O-H 104,5°, da die nicht sichtbaren, aber in zwei sp3-Orbitalen existenten freien Elektronenpaare den idealen Tetraederwinkel stauchen. Die zwei einfach besetzten sp3-Hybridorbitale bilden zwei s-Bindungen zwischen O und H:

Bildung von Hydrogenfluorid HF durch sp3-Hybridisierung des Fluor. Ein Bindungswinkel ist nicht definiert. Neben der einen s-Bindung existieren 3 freie Elektronenpaare in sp3-Hybridorbitalen:

4.3 Zusammenfassende Eigenschaften der jeweils 4 sp3-Hybridorbitale
| Atom | Valenzelektronen | s-Bindungen | freie Elektronenpaare | p-Bindungen | Bindungswinkel | in Molekül |
| B | 2s2, 2p1 | 3-Zentren-Bindung | Elektronenmangelverbindungen | 0 | kein sp3 | B2H6 |
| C | 2s2, 2p2 | 4 | 0 | 0 | 109°28' | CH4 |
| N | 2s2, 2p3 | 3 | 1 | 0 | 107° | NH3 |
| O | 2s2, 2p4 | 2 | 2 | 0 | 104,5° | OH2 |
| S | 3s2, 3p4 | 2 | 2 | 0 | 92° | SH2 |
| Se | 4s2, 4p4 | 2 | 2 | 0 | 91° | SeH2 |
| F | 2s2, 2p5 | 1 | 3 | 0 | nicht definiert | FH |
| Ne | 2s2, 2p6 | nicht existent, da kein Elektron zur Bindungsbildung zur Verfügung steht (Edelgas) | ||||
© Prof. Dr. M. Häberlein in FH Frankfurt, Fb 2, Stg Verfahrenstechnik