Versuch KT 7 :
Inhaltsverzeichnis
1 Aufgabe
2 Grundlagen
2.1 Zugversuch
2.2 Schlagbiegeversuch
2.3 optische Spannungsprüfung
3 Prüfgeräte; Prüfkörper
3.1 Tensiometer
3.2 Schlagbiege-Prüfgerät
3.3 optische SpannungsprüfungPrüfungen an PS-Proben
4 Versuchsdurchführung
4.1 Zugversuch
4.2 Schlagbiegeversuch
4.3 optische Spannungsprüfung
5 Auswertung
5.1 Zugversuch
5.2 Schlagbiegeversuch
5.3 optische Spannungsprüfung
6 Eigenschaftsrichtwerte
7 Literatur1 Aufgabe
Mit den in Versuch KT 6 gefertigten Spritzguss-Probekörpern werden Werkstoffuntersuchungen wie Reißfestigkeit, Schlagfestigkeit und Ermittlung der inneren Spannung (optische Spannungsprüfung) zur Feststellung der optimalen Einstellung der Spritzgießmaschine durchgeführt.
2 Grundlagen
2.1 Zugversuch nach DIN 53 455
1.Zweck und Anwendung
Der Zugversuch nach dieser Norm dient zur Beurteilung des Verhaltens von Kunststoffen bei einachsiger Beanspruchung auf Zug. Die Prüfung wird an bestimmten Probekörpern unter festgelegten Bedingungen für die Vorbehandlung, das Prüfklima und die Prüfgeschwindigkeit durchgeführt. Der Zugversuch dient in erster Linie zur Qualitätskontrolle.2. Begriffe
Zugspannung s im Sinne dieser Norm ist die auf den kleinsten gemessenen Anfangsquerschnitt des Probekörpers bezogene Kraft zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Versuches.
Reißfestigkeit sR ist die Zugspannung im Augenblick des Reißens.
Dehnung e ist die auf die ursprüngliche Messlänge des Probekörpers bezogene Längenänderung zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Versuches.
Reißdehnung eR ist die Dehnung beim Reißen.3. Probekörper
Die Probekörper werden bei vorgegebenen Bedingungen im Spritzguss hergestellt.
Verwendet werden Zugstäbe als Normprobekörper
Abbildung 701: Kraft-LängenänderungsdiagrammHierin bedeuten: Fmax Höchstkraft
FR Reißkraft
FS Kraft bei Streckspannung
FSx Kraft bei x % Dehnspannung
DLFmax Längenänderung bei Höchstkraft
DLR Längenänderung bei Reißkraft
DLS Längenänderung bei Streckkraft
(Kraft bei Streckspannung)
DLSz Längenänderung bei der Kraft, die
der z % Dehnspannung entspricht4.Vorbehandlung
Die Prüfkörper werden mindestens 16 h lang im Normalklima 23/50 gelagert.Hierbei bedeuten nach DIN 50014 "Normalklima 23/50": 23 °C ± 2 °C und 50 % ± 5 % relative Luftfeuchtigkeit bei einem Luftdruck von 800 bis 1060 mbar (80 bis 106 kPa).
5. Formeln
sR = FR / A0 in N / mm2 mit sR = Reißfestigkeit
FR = Reißkraft
A0 = Anfangsquerschnitt = b * h; b = Breite und h = HöheeR = DLR* 100 / L0 in % mit eR = Reißdehnung
DLR = Längenänderung beim Bruch
L0 = Anfangslänge
2.2 Schlagbiegeversuch nach DIN 53 453
1. Zweck und Anwendung
Der Schlagbiegeversuch dient zur Ermittlung das Verhaltens von definierten Probekörpern bei definierter Schlagbiegebeanspruchung und zur Beurteilung der Sprödigkeit oder der Zähigkeit innerhalb der durch die Prüfbedingungen gezogenen Grenzen.2. Begriffe
Die Schlagzähigkeit an ist die vom ungekerbten Probekörper verbrauchte Schlagarbeit AN, bezogen auf den Querschnitt des Prüfkörpers vor dem Versuch.3. Probekörper
Die Probekörper werden bei vorgegebenen Bedingungen im Spritzguss hergestellt.4. Vorbehandlung
Wie bei Zugversuch.5. Formeln
![]() |
an = (AN - ABlind) / (b * h) in mJ / mm2 = kJ / m2 1 J = 1 Nm = 1 kg m2 /s2
l = 50 ± 1 mm |
mit an = Schlagzähigkeit AN = Schlagarbeit (Energie) ABlind = Reibungswiderstand b = Breite der Probe h = Dicke der Probe (b > h)
|
2.3 Spannungsoptische Untersuchung
1. Zweck und Anwendung
Die spannungsoptische Untersuchung dient zur Beurteilung von Molekülorientierungen in durchsichtigen Kunststoffteilen.2. Begriffe
Molekülorientierungen bewirken innere Spannungen, die zu Verformungen und Spannungsrissen im Kunststoffteil führen können. Sie sind deshalb bei der Verarbeitung zu vermeiden. Je größer die Molekülorientierungen sind, um so größer sind im allgemeinen auch die inneren Spannungen. Für vorgenannte Beurteilung dient die Bestimmung der Isochromaten:
Bei Durchleuchten des Kunststoffteils mit polarisiertem Licht zeigen sich Linien (Isochromaten), die ein Maß für die Molekülorientierungen sind und somit auch eine Aussage über die inneren Spannungen zulassen.3. Probekörper
Die Probekörper werden bei vorgegebenen Bedingungen im Spritzguss hergestellt. Es handelt sich hier um Rechteckplatten.4. Vorbehandlung
Wie bei Zugversuch.5.Formeln
Anzahl der Isochromaten = rel. Maß für Spannungen
3 Prüfgeräte; Probekörper
Der Zugversuch wird an einer Prüfmaschine ("Tensiometer") nach DIN 51 221 der Klasse 1 entsprechend DIN 51 220 durchgeführt.
Typ: TZM 10 kN Hersteller:
Fa.Wolpert max. Belastung:
10 kN max. Hub: 1400 mm Traversengeschwindigkeit: 0 bis 1000 mm/min Die Kraftmessung erfolgt elektronisch mit induktivem Kraftaufnehmer über einen Messverstärker. Mit einem 10 - Gang-Potentiometer wird die Längenänderung über den Traversenweg ermittelt. Die Anzeige der Messgrößen erfolgt digital. Kraft-Verlängerungskurven können mit einem externen Schreiber aufgezeichnet werden.
Zur Bestimmung der Schlagzähigkeit dient ein Pendelschlagwerk nach DIN 51 222.
Hersteller: Fa.Wolpert Hammertyp: Charpy max. Schlagarbeit: 1 J oder 4 J Ein drehbar gelagerter Hammer wird auf die Probe, die an zwei Backen anliegt, fallengelassen. Die für das Durchschlagen verbrauchte Energie wird durch einen Schleppzeiger angezeigt.
Zur spannungsoptischen Untersuchung dient ein Plastiskop nach Dr. Schneider. Es ist mit weißem und Na-Dampf-Licht sowie einer Vorrichtung für linear und zirkular polarisiertes Licht ausgestattet. Das linear polarisierte Licht dient zur Bestimmung der Isoklinen, das zirkular polarisierte Licht zur Bestimmung der Isochromaten.
4 Versuchsdurchführung
Für alle Prüfungen ist die Raumtemperatur und die rel. Luftfeuchtigkeit fest zu halten. (Vorgeschrieben sind 23 ± 2 °C). Eventuelle Fehlstellen am Prüfkörper (Lunker, Kerben, Einfallstellen) sind zu notieren.
4.1 Zugversuch
Es werden 4 Proben geprüft.
Die Abmessungen der Proben sind auf 0,01 mm genau zu messen.
Die Prüfgeschwindigkeit beträgt 50 + 5 mm/min (Taste 1 ).
Der Messbereich für die Kraft (F) wird mit 2 kN gewählt (Taste 2).
Nach exakt senkrechtem Einlegen der Probe in die Spannbacken wird der Traversenantrieb in Gang gesetzt (Taste I).
Nachdem der Bruch erfolgt ist hält die Maschine automatisch an. Die Maximalkraft wird notiert.
Durch gleichzeitiges Betätigen der Taste I und " wird die Traverse in ihre ursprüngliche Position zurückgefahren. Eine neue Probe kann eingespannt werden.
Schlagbiegeversuch
Vorsicht: Der Hammer kann Handverletzungen hervorrufen!
Es werden 5 Proben geprüft.
Die Breite und Dicke der Probe ist auf 0,1mm genau zu messen.
Durch Blindversuch sind Schlagarbeitsverluste durch Reibung festzustellen.
Danach wird die Probe hochkant, mittig und bündig in die Backen eingelegt.
Der Hammer wird ausgelöst und die Schleppzeigeranzeige notiert.
Der Hammer wird wieder eingeklinkt, der Schleppzeiger zurückgenommen und die nächste Probe eingelegt.
Spannungsoptische Untersuchung
Zur Bestimmung der Isochromaten bleibt das l / 4 -Filter eingeschwenkt (zirkulare Polarisation). Die Probe wird zwischen Polarisator und Analysator gebracht. Arbeitet man mit weißem Licht, so werden Linien mit gleicher Farbe (Isochromaten) ausgezählt, arbeitet man aber mit monochromatischem Licht (Na-Dampf), so werden die dunklen Linien ausgewartet. Das Orientierungsbild ist im Protokoll zu skizzieren.
5 Auswertung
Das Versuchsprotokoll ist gleichzeitig als Auswertetabelle angelegt.
Eventuelle Fehlstellen am Prüfkörper (Lunker, Kerben, Einfallstellen) sind herauszustellen und zu interpretieren. Die Reißfestigkeit sR ist zu berechnen und jeweils der arithmetische Mittelwert zu bilden.
Es ist für den Normkleinstab ohne Kerbe die Schlagzähigkeit an zu berechnen (mit Kerbe: "Kerbschlagzähigkeit"). Der arithmetische Mittelwert aus 5 Einzelprüfungen ist zu bilden.
Weitere 5 Probekörper sind zu prüfen, wenn das arithmetische Mittelaller absolut gerechneten Abweichungen Dan der Einzelwerte vom Mittelwert größer als 10 % ist.
und
in % mit n = Anzahl der Messwerte.
Die Anzahl der Isochromaten ist festzuhalten, sowie das Orientierungsbild qualitativ zu beschreiben.
Die Eigenschaftsrichtwerte des Materialherstellers sind ins Protokoll zu übernehmen (siehe Kap. 6 dieses Versuchs).
Alle Messergebnisse sind in einem Diagramm zusammenzufassen. Auf der x-Achse ist die variierte Versuchsbedingung aufzutragen. Die optimale Versuchsbedingung ist herauszufinden und zu begründen.
6 Eigenschaftsrichtwerte
Mater ial: Polystyrol (PS) Hersteller: BASF Typ: Polystyrol 143 E Mechanische Eigenschaften:
Zugfestigkeit Reißdehnung
Schlagzähigkeit bei 23*C
Dichte
DIN 53 455: DIN 53 455:
DIN 53 453:
DIN 53 479:
46 N/mm2 2 %
11 kJ/m2
1,05 g/cm3
7 Literatur
1. DIN, DIN-Taschenbuch Nr. 18: Prüfnormen f. Kunststoffe
2. Stoeckhert, Kunststoff-Lexikon
3. Saechtling, Kunststoff-Taschenbuch
4. Domininghaus, Kunststoffe II Kunststoffverarbeitung
5. Betrifft Spannungsoptik (Isochromaten.):
Haenle./Gnauck/Harsch Praktikum der Kunststofftechnik
6. BASF Kunststoffverarbeitung im Gespräch: Spritzguss
7. J. F. Salhofer u. a. Kunststoffe kurz und bündig Kunststoffverarbeitung© Prof. Dr. M. Häberlein, Ing. Bert Scholz in FH Frankfurt, Fb 2, Stg Verfahrenstechnik